„Auf wen wartest du? Auf Frau W.?“ – „Ja.“

Die Ampel schaltet auf Grün. Kupplung treten, 1. Gang einlegen, Kupplung kommen lassen und gleichzeitig die Bremse lösen.

Ich biege um die Ecke und halte schon nach einem Parkplatz Ausschau. Gar nicht so einfach … Zum Glück habe ich nur ein kleines Auto – das passt fast überall rein.

Motor ausschalten. Die obligatorische „Ich bin angekommen“-SMS an die Mama (nicht wundern, ich bin schon ein großes Mädchen, aber das ist Routine geworden – da lebt Mama ruhiger). Ich bin mal wieder viel zu zeitig da. 8:30 Treff. Jetzt ist es 8:00. Super.

Wie auch immer, verging die Zeit ziemlich schnell. Ich steige also aus und laufe in Richtung Eingangstür. Das Gebäude ist große und eindrucksvoll – so, wie mein eigenes Gymnasium damals… Nur ist das ja zum Alltag geworden.

Wie ich so die Treppen hochsteige, denke ich bei mir, wie schnell ich doch wieder in einer Schule gelandet bin. Obwohl der Plan ein ganz anderer war … Naja.. aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. Zimmer 1.13. Wo ist das?

Als ich so das Treppenhaus hinaufsteige und den Gang entlang gehe, auf der Suche nach dem Zimmer, bemerke ich, wie viel Platz auf den Gängen doch ist, wenn sich alle hinter den Türen verstecken. Da gibt es die Turnhalle, die Lehrertoilette, das Kunstvorbereitungszimmer – und da! Zimmer 1.13. Aber es ist immer noch zu zeitig. Ich stelle mich also an einen Tisch, der ohne einen ersichtlichen Sinn im Gang steht und warte ab. Da öffnet sich eine Tür. „Hallo.“, sage ich, ohne gleich zu registrieren, dass die Frau, die ich gerade begrüßt habe, die Lehrerin ist, zu der ich eigentlich will. „Hallo“, erwidert sie und geht weiter in Zimmer 1.13.

Gut, ich warte noch 5 Minuten. Dann ist es 8:30. Dann klopfe ich an die Tür. Sonst ist es unhöflich. Vielleicht muss sie noch etwas vorbereiten.

Die Tür zu Zimmer 1.13 öffnet sich. Sie – wieder – tritt heraus und geht den Gang entlang Richtung Sektetariat. Mein Einsatz. Ich gehe ein paar Schritte in Richtung 1.13 und positioniere mich davor. Sie kommt wieder. „Hallo.“- erneut. Wir geben uns die Hände und sie schaut mich an. „Wir kennen uns schon.“, half ich ihrem Gedächtnis auf die Sprünge. „Ach! Mir kam der Name schon bekannt vor! Ich habe dich vorhin als Schülerin eingeordnet!“ „Ich habe auch nicht so schnell geschalten.“, grinste ich. „Ich bin die Sandy – wenn ich jetzt schon mit dem DU angefangen habe. Willst du eine Kaffee oder Cappuccino?“
Das Eis war gebrochen.

Nicht, dass ich vor Aufregung fast umgekippt wäre – nein. Ich habe mit neuen Situationen kein Problem. Andernfalls wäre ich als angehende Lehrerin auch ziemlich schlecht aufgehoben. Aber Neu ist eben – wie der Name schon sagt – NEU. Und da macht sich jeder Gedanken.

Das Gespräch verläuft gut. Fast schon familiär. Was hast du dir denn so vorgestellt? Willst du auch mal selber einen Versuch starten und Unterrichten? Willst du wirklich keinen Kaffee? Ich fühle mich sofort gut aufgehoben. Klar – ich kenne sie ja auch schon. Zwar nur als meine Ethik-Lehrerin, aber trotzdem hat man so ein vertrautes Gefühl und das ist als Praktikant gar nicht so schlecht. Zumindest, wenn man den Lehrer bzw. die Lehrerin mochte. Und das tat ich. (Auch, wenn ich eine der wenigen war)

So beginnt mein erster Tag im Praktikum mit einem Block (sind immer Doppelstunden) Geografie Vertretung 5. Klasse und einem Block Chemie 7. Klasse. In der Zwischenzeit werde ich erneut als Schülerin verkannt. „Auf wen wartest du? Frau W.?“, fragt eine andere Lehrerin. „Ja.“, sage ich einfach. An sich ist es ja egal, ob sie denkt, ich wäre eine Schülerin. So bin ich eben ein bisschen inkognito. Hat auch so seine Vorteile.

Der zweite Tag ist voll. 8 Stunden Ethik stehen auf dem Plan. Am Ende waren es nur 6 – wegen Problemen in der Planung. Erste Schulwoche eben. Willkommen im Schulalltag! Völlig abgekämpft und kaputt komme ich zu Hause an – ja, auch Hospitieren kann anstrengend sein! Ich analysiere ja immer alles – springe sofort unter die Dusche und danach fühle ich mich sofort besser. Was Wasser doch für eine Kraft hat!

Und Sonntagabend/-nacht gehe ich dann voll entspannt vom Wochenende ins Bett und freue mich schon auf die kommende Woche.